Schutzausrüstung im Bikepark: Helm, Protektoren und Handschuhe richtig wählen

Die meisten Verletzungen im Bikepark passieren nicht auf der Downhill-Strecke, sondern auf dem Flowtrail, bei niedrigem Tempo, in der dritten Runde, wenn die Konzentration nachlässt. Ein Sturz über den Lenker bei 20 km/h reicht, um sich Handgelenk, Schlüsselbein oder Knie zu verletzen. Deshalb gilt bei uns: Helm ist Pflicht, Handschuhe sind Pflicht, und alles andere ist dringend empfohlen.

Was du wirklich brauchst, hängt von der Strecke ab. Wer nur die Einsteigerlinie fährt, kommt mit weniger aus als jemand, der die ersten Sprünge lernt. Hier ein Überblick, worauf es bei jedem Teil ankommt.

Helm: Halbschale oder Fullface?

Für Flowtrails mit moderatem Tempo reicht ein Trail-Helm mit tiefer Heckabdeckung, für Freeride-Lines und Downhill gehört ein Fullface auf den Kopf. Der Kinnbügel schützt Kiefer und Zähne, und genau die sind bei Stürzen nach vorn am häufigsten betroffen. Achte auf die Norm EN 1078 für Fahrradhelme, bei Fullface-Helmen zusätzlich auf die Downhill-Norm ASTM F1952. Ein Helm muss fest sitzen, ohne zu drücken, und nach jedem harten Sturz ersetzt werden, auch wenn außen nichts zu sehen ist. Der ADFC erklärt in seinen Ratgebern, wie man den Sitz richtig prüft.

Protektoren: Was schützt, was stört

  • Knie: Das wichtigste Teil nach dem Helm. Weiche Protektoren mit viskoelastischem Schaum härten beim Aufprall aus und lassen sich den ganzen Tag tragen. Norm EN 1621-1.
  • Rücken: Als Rückenpanzer oder Protektorweste. Für Downhill-Strecken empfehlen wir ihn ausdrücklich, auf dem Flowtrail ist er Geschmackssache.
  • Ellenbogen werden oft weggelassen, weil sie stören. Wer schon einmal mit dem Ellenbogen auf Wurzeln gelandet ist, sieht das anders.
  • Schienbein: Bei Flatpedals sinnvoll, weil die Pins beim Abrutschen tiefe Schnitte hinterlassen.

Handschuhe sind kein Zubehör

Bei fast jedem Sturz landen die Hände zuerst auf dem Boden. Ohne Handschuhe bedeutet das aufgeschürfte Handflächen und wochenlang keine Griffe halten. Langfinger-Handschuhe mit dünner Handfläche geben das beste Gefühl für Bremse und Lenker, Modelle mit Knöchelschutz sind bei Sprüngen mit Bäumen am Rand sinnvoll. Wichtig ist der Sitz: Zu große Handschuhe verrutschen am Griff, zu enge schneiden nach zwei Stunden ein.

Brille, Schuhe, Kleidung

Eine Goggle hält Staub, Äste und Insekten von den Augen fern, bei Fullface-Helmen ist sie ohnehin Standard. Schuhe brauchen eine steife Sohle und, bei Flatpedals, eine griffige Gummimischung. Lange Hosen aus abriebfestem Material schützen bei Stürzen besser als kurze, auch im Sommer. Aktuelle Tests zu Protektoren und Helmen veröffentlicht das BIKE Magazin jede Saison, das lohnt einen Blick vor dem Kauf.

Pflege und Lebensdauer

Protektoren und Helme halten nicht ewig. Der Schaum in Helmen altert, Hersteller empfehlen einen Tausch nach fünf bis acht Jahren, auch ohne Sturz. Weiche Protektoren verlieren nach vielen Wäschen ihre Dämpfung, deshalb nur per Hand und ohne Weichspüler waschen und an der Luft trocknen. Handschuhe sind Verschleißteile, ein Satz pro Saison ist normal. Wer seine Ausrüstung nach jedem Parktag lüftet und nicht feucht in der Tasche lässt, verlängert die Lebensdauer spürbar und riecht am nächsten Wochenende besser.

Fazit: Erst die Ausrüstung, dann die Strecke

Wer zum ersten Mal in den Bikepark kommt, sollte mit Helm, Handschuhen und Knieprotektoren anreisen und alles Weitere je nach Strecke ergänzen. Ein Fullface-Helm und ein Rückenpanzer kosten zusammen so viel wie ein guter Reifensatz und verhindern genau die Verletzungen, die eine Saison beenden. Leihausrüstung gibt es in vielen Parks, fragt am Shuttle nach. Verletzt zu Hause zu sitzen ist teurer als jedes Protektorenset.